Twitter

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140 Zeichen, ultimative Wahrheiten brauchen nicht mehr Platz. Jedes Zeichen mehr ist Geschwafel. Lange Antworten sind nichts weiter als weitere Fragen. Und doch hört man als Twitter-Nutzer häufig den Vorwurf, man wolle andere nur mit dem eigenen Müll belasten. Mir sind 140 Zeichen Müll lieber als 2 A4-Seiten Müll. Lässt sich auch leichter aussortieren. Kritikern möchte ich gern sagen: Müll liest nur, wer Müll lesen will. Wem ich folge, bleibt ja mir überlassen. Letztendlich sind die Nutzer für ihr Tun verantwortlich, nicht das Medium.

In diesem Blog-Eintrag steht eine sehr schöne Hommage an Twitter und was so schön daran ist. Aufmerksam gemacht auf den Text wurde ich übrigens per Twitter, natürlich.

Der ständige Gedankenaustausch, selbst wenn er oft profan daherkommt, ist eine wunderbare Art der Kommunikation. Es ist kein Filtern, kein vorsichtiges Überlegen was man wem mitteilt. Es ist ein kollektives Verstehen, lässt teilhaben an der Weltwahrnehmung der anderen mitsamt ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. Eine Ärzte-Text sagt: „Du denkst die anderen wären glücklich, weil du sie nie weinen siehst.“ Nun kann man zumindest davon lesen und sieht umso mehr: Die anderen kochen auch nur mit Wasser.

Die Hemmungen sich mitzuteilen sind über Twitter viel geringer als im analogen Leben. Ich muss Leute nicht erst persönlich kennengelernt haben um ihre Sicht der Dinge kennenzulernen. Klar, ein fruchtbarer Austausch verschiedener Geister durch zufälliges Aufeinandertreffen wird dadurch erschwert. Aber mal ehrlich: Wann hat man das letzte mal jemanden im Gespräch kennengelernt, gemerkt, dass der ganz anders tickt und sich dann hinterher darüber gefreut? Letztendlich sind es die Gemeinsamkeiten, die Leute zusammenschweissen. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Als Resultat antirassistischer Bemühungen steht oft im Raum: „Siehst du Klein-Adolf, die Schwarzen und wir, wir sind gar nicht so verschieden.“ Und der typische Urlaubsdeutsche fährt letztlich auch nicht nach Südeuropa, weil die Folklore anders ist, sondern weil sie ihm Vergnügen bereitet.

Natürlich gibt es auch die Abgebrühten. Mit dem zunehmenden Erfolg von Twitter wurde auch erkannt, wie gut man sich hierüber selbst vermarkten kann. Dann wird doch gefiltert, gezielt getwittert, überlegt: „Was denken die anderen von mir wenn ich das schreibe?“ Meist sind diese Tweets schlicht langweilig, wirken generisch. Interessant ist doch das, was von der Seele kommt und nicht aus dem Hirn.

Twitter. Alle reden mit allen. Die ganze Zeit. Weghören kann, wer will. Twitter.

Pro.