Goldene Palme von Cannes. Mickey Rourke (Oscar-nominiert) in der Rolle seines Lebens. Darren Aronofskys „The Wrestler“ ist einer der viel gelobten Filme, die auf meiner aktuellen To-Do Liste noch gefehlt haben. Der Regisseur hatte mich schon mit „Requiem for a Dream“ schwer getroffen, ich war also guter Dinge. Leider hielten die vielen Vorschusslorbeeren dann doch nicht ganz, was sie versprachen…
Der Film handelt von Randy „The Ram“ Robinson, einem Wrestler, der seinen Zenit bereits seit 20 Jahren überschritten hat. Die Einnahmen seiner Kämpfe reichen kaum mehr zum Leben, selbst mit Lagerarbeiten unter der Woche kann er die Miete seines heruntergekommenen Trailers kaum bezahlen. Als er schließlich nach einem Kampf zusammenbricht und sich einer Bypass-Operation unterziehen muss, ist es mit dem Kämpfen plötzlich vorbei. Randy merkt, dass sein Leben völlig leer geworden ist. Das Verhältnis zu seiner Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) ist zerrüttet, seine einzige nähere Bekanntschaft ist die ebenfalls nicht mehr ganz junge Stripperin Cassidy (Marisa Tomei), von deren Privatleben als Mutter er jedoch auch bis dato nicht das Geringste weiß. Er beginnt mit beiden mehr Kontakt aufzubauen, scheitert jedoch an seinem alten Verhalten und kehrt zurück in seine einzige Heimat, dem Ring, zu seinem letzten Kampf.
Was bleibt, wenn der Ruhm vergeht und man darüber hinaus die wichtigen Dinge im Leben, etwa die Familie, vergessen hat? Interessanterweise hat „The Wrestler“ mit seinem Grundthema da einiges mit „Watchmen“ gemein. Der ganze Film zeichnet das Portrait eines gefallenen Kriegers, der zu einem Abziehbild, zu einer Figur geworden ist. Randy schlüpft gar in sein eigenes Alter Ego „The Ram“, um einen Nachbarjungen in einem veralteten Nintendo-Spiel zu besiegen. Sein Leben besteht aus Medikamenten, Oberflächlichkeiten und Einsamkeit. Die Zuneigung der anonymen Massen steht im krassen Gegensatz zu seinem leeren Inneren. Ein Star im Ring, der sich als Verkäufer an der Wursttheke demütigen lassen muss.
Schaut man sich Rourke und seine Figur Randy an, zeigen sich einige Parallelen. Beide zehren heute noch vom Ruhm der Vergangenheit, beide sind vom Leben auch körperlich gezeichnet. Mickey selbst war vor und nach seinen schauspielerischen Erfolgen in den 80ern jahrelang Profiboxer. Fast könnte man sagen, er spielt einfach sich selbst. Dies tut er auch mit Bravour. Man nimmt ihm mit jeder Faser diesen Verlierer-Typen ab, dessen ausgebrannte Existenz zu nichts mehr nütze ist und dessen Fehler in der Vergangenheit nicht mehr wieder gut zu machen sind.
Warum bin ich trotzdem etwas enttäuscht? Weil „The Wrestler“ ausser einem tollen Mickey Rourke nichts zu bieten hat. Die Geschichte selbst bietet kaum Überraschungen und driftet stets nah am Klischee vorbei, die Beziehungen zu Stephanie und Cassidy werden kaum vertieft. Irgendwie hat man das Gefühl als hätte man die Story schon ein dutzend mal woanders gesehen, das einzige Novum ist, dass es um einen alten Wrestling-Star geht und nicht etwa um das Film- oder Musikbusiness. So plätschert der Film fast ohne musikalische Untermalung und mit einer stets unruhigen Handkamera einfach so ohne große Überraschungen dahin. Rourkes Charme rettet viel, täuscht aber nicht über den unspektakulär inszenierten und routiniert geschriebenen Inhalt hinweg. Deswegen, obwohl ich den Film wegen Rourke auf jeden Fall empfehlen würde, ein leicht enttäuschtes:
Kontra.

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