Feinde, Feinde, überall

Gestern gab es einen 1A Shitstorm. Zuvor twitterte MDR-Intendant Udo Reiter folgenden Text:

Einheitstag 2030: Bundespräsident Mohammed Mustafa ruft die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren.

Innerhalb kürzester Zeit regte sich das halbe dt. Internet auf: „Hetze! Rassismus! Wie kann ein öffentlich-rechtlicher Intendant so etwas verbrechen?“ Reiter schob schnell nach, es handle sich bei dem Text um einen Witz, welcher zuvor auch schon als Bild in einer Zeitung zu sehen war. Reaktion: Der Reiter mache also rassistische Witze. Weiterlesen

Ab heute bin ich Google-Hure

e-mailen_mit_Das Problem mit Webdiensten ist ja, dass sie uns das Denken abnehmen. Soziale Netzwerke ersetzen ersparen die lästige Kommunikation im echten Leben, Twitter und RSS erspart das mühselige Durchforsten des Webs. Ich mache weniger, ich lasse machen. Das ist bequem. Und gefährlich. Wer Hilfe will, muss Daten angeben. Die sind dann im Netz, mehr oder weniger vertrauenswürdig gesichert. Zwar bemüht man sich, ein sicheres Verhalten im Netz zu lehren, aber mal abgesehen davon, wer sich daran hält: Wenn man sich nicht total verweigert, kann man auch nicht mehr als das Mindeste tun. Wer sagt mir denn, dass meine “geheimen” Angaben nicht hinterrücks weiterverkauft werden? Das Stichwort heißt hier Vertrauen.

Vertrauen sollte man nicht leichtfertig verschenken. Aber man ist darauf angewiesen, weil man sonst an der Welt nicht teilnehmen kann. Das führt dann nämlich zur Paranoia. Klar kann es sein, das Google meine Daten verkauft. Es kann auch sein, dass die Ampel an der Kreuzung falsch geht oder der Staat mich ausspioniert. Trotzdem begebe ich mich täglich in den Verkehr und wandere nicht aus. Es ist also ganz dem persönlichen Empfinden überlassen, ob man einem Anbieter vertraut oder nicht. Mächtige Konzerne haben selten einen guten Ruf, denn wer reich ist, muss ja Dreck am Stecken haben, oder?

Seit heute nutzte ich die Google-Dienste. Kalender, Mail, Photos, RSS-Reader, Schreibprogramme. Ein unsicheres Gefühl ist da, ja. Aber auch Sicherheit in Hinblick darauf, dass meine Daten schön verwaltet werden. Tut der PC ja auch, nur jetzt ist das ganze halt ins Netz ausgelagert. Wer es dort angreift und ausspioniert, könnte es vielleicht auch auf meinem PC tun, wenn der am Kabel hängt. Meine Dozenten, ihres Zeichens Vorbilder, tun es ja auch. Also Google-Apps nutzen nun, nicht hacken. Und ich denke, dass langfristig ein Umzug der Gesellschaft von ihren lokalen Netzwerken ins Netz ohnehin unvermeidlich ist. Da kann man das ja zumindest einmal ausprobieren. Auch als Vorbereitung auf Google Wave.

Ob ich Google auch nur mehr als einen Tag die Treue halte, wird sich zeigen. Ich bin auch gespannt, wann die erste Spam-Nachricht bei Google Mail eintrifft, ohne dass ich die Adresse irgendwo angegeben hätte.

Ich erwarte Nachrichten wie “Du Idiot wie kannst du nur” und “Viel Spaß beim Ausverkauf deiner Seele” in 3…2…1…Jetzt.

Twitter

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140 Zeichen, ultimative Wahrheiten brauchen nicht mehr Platz. Jedes Zeichen mehr ist Geschwafel. Lange Antworten sind nichts weiter als weitere Fragen. Und doch hört man als Twitter-Nutzer häufig den Vorwurf, man wolle andere nur mit dem eigenen Müll belasten. Mir sind 140 Zeichen Müll lieber als 2 A4-Seiten Müll. Lässt sich auch leichter aussortieren. Kritikern möchte ich gern sagen: Müll liest nur, wer Müll lesen will. Wem ich folge, bleibt ja mir überlassen. Letztendlich sind die Nutzer für ihr Tun verantwortlich, nicht das Medium.

In diesem Blog-Eintrag steht eine sehr schöne Hommage an Twitter und was so schön daran ist. Aufmerksam gemacht auf den Text wurde ich übrigens per Twitter, natürlich.

Der ständige Gedankenaustausch, selbst wenn er oft profan daherkommt, ist eine wunderbare Art der Kommunikation. Es ist kein Filtern, kein vorsichtiges Überlegen was man wem mitteilt. Es ist ein kollektives Verstehen, lässt teilhaben an der Weltwahrnehmung der anderen mitsamt ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. Eine Ärzte-Text sagt: „Du denkst die anderen wären glücklich, weil du sie nie weinen siehst.“ Nun kann man zumindest davon lesen und sieht umso mehr: Die anderen kochen auch nur mit Wasser.

Die Hemmungen sich mitzuteilen sind über Twitter viel geringer als im analogen Leben. Ich muss Leute nicht erst persönlich kennengelernt haben um ihre Sicht der Dinge kennenzulernen. Klar, ein fruchtbarer Austausch verschiedener Geister durch zufälliges Aufeinandertreffen wird dadurch erschwert. Aber mal ehrlich: Wann hat man das letzte mal jemanden im Gespräch kennengelernt, gemerkt, dass der ganz anders tickt und sich dann hinterher darüber gefreut? Letztendlich sind es die Gemeinsamkeiten, die Leute zusammenschweissen. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Als Resultat antirassistischer Bemühungen steht oft im Raum: „Siehst du Klein-Adolf, die Schwarzen und wir, wir sind gar nicht so verschieden.“ Und der typische Urlaubsdeutsche fährt letztlich auch nicht nach Südeuropa, weil die Folklore anders ist, sondern weil sie ihm Vergnügen bereitet.

Natürlich gibt es auch die Abgebrühten. Mit dem zunehmenden Erfolg von Twitter wurde auch erkannt, wie gut man sich hierüber selbst vermarkten kann. Dann wird doch gefiltert, gezielt getwittert, überlegt: „Was denken die anderen von mir wenn ich das schreibe?“ Meist sind diese Tweets schlicht langweilig, wirken generisch. Interessant ist doch das, was von der Seele kommt und nicht aus dem Hirn.

Twitter. Alle reden mit allen. Die ganze Zeit. Weghören kann, wer will. Twitter.

Pro.