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	<title>Moosbett &#187; Tocotronic</title>
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	<description>Alles Andere ist Wikipedia</description>
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		<title>Tocotronic &#8211; Schall &amp; Wahn</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 19:27:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tomhartig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Schall und Wahn]]></category>
		<category><![CDATA[Tocotronic]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin verliebt. In die Töne. In Tocotronics neues Album „Schall und Wahn“. 9/10 gut und gerne. Ich habe eine Weile daran gedacht, jeden Song hier in Moosbett auseinander zu interpretieren. Doch im Grunde verweigern sich die Lieder wie so oft zuvor eindeutigen Zuordnungen. „Schall und Wahn“ setzt die Richtung fort, die die Band seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p style="text-align: justify;"><img class="aligncenter size-full wp-image-713" title="Schall und Wahn Cover" src="http://tomhartig.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/51wjS4zEq2L.jpg" alt="51wjS4zEq2L" width="500" height="449" /></p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin verliebt. In die Töne. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tocotronic" target="_blank">Tocotronics</a> neues Album „Schall und Wahn“. 9/10 gut und gerne. Ich habe eine Weile daran gedacht, jeden Song hier in Moosbett auseinander zu interpretieren. Doch im Grunde verweigern sich die Lieder wie so oft zuvor eindeutigen Zuordnungen. „Schall und Wahn“ setzt die Richtung fort, die die Band seit K.O.O.K. eingeschlagen hat: Romantische Poesie verbunden mit musikalischem Exzess. Alles ist irgendwie zu groß, um erfasst zu werden. Kitschig und doch schön. Testosteron könnte nicht weiter entfernt sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Interessanterweise tauscht das Album mit „Kapitulation“ die Rollen. Während ich dort die Texte sehr einladend und die Musik zu Weilen etwas abweisend empfand, mag ich mir hier weniger Gedanken um einen übergeordneten Sinn hinter dem (wunderschön) Gesungenen machen und einfach den Klang genießen. Das geht schon mit dem mächtigen Opener „Eure Liebe tötet mich“ los, was man gut und gerne als „Hi Freaks“ 2 verstehen kann, quasi eine direkte Anrede an den Fan(atiker). Da bildet sich gegen Ende des 8Minüters ein so unglaubliche Klangsturm, es zieht einem die Socken aus. Ähnlich davontragend ist auch das Ende des Albums, wo das süße „Gift“ von Geigen verabreicht wird.</p>
<p style="text-align: justify;"><img class="alignright size-medium wp-image-714" style="margin-left: 10px; margin-right: 10px;" title="Tocotronic" src="http://tomhartig.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/D6A884B76381D811B3E4594AC7B22-234x300.jpg" alt="D6A884B76381D811B3E4594AC7B22" width="234" height="300" />Neben den „üblichen“ tollen Liedern im Tocotronic-Stil stechen 3 Lieder heraus: „Stürmt das Schloss“ ist das „Sag alles ab“ von „Schall und Wahn“, schnell, kurz, aggressiv. Die Abkürzung SDS wird immer wieder auf die gleichnamige Studenten-Gruppe aus den 60ern bezogen, funktioniert aber im Liedkontext mit dem durch das Textheft beigefügte D ebenso als Aufruf an alle Castingverlierer, ihre eigene Band zu gründen. „Im Zweifel für den Zweifel“ ist eine ausschließlich von Akustik-Gitarre vorgetragene Absage an alle Sicherheiten. „Bitte oszillieren Sie“ (zwischen den Polen Bumms und Bi) ist dann ein einziger (toller) Witz. Es macht den tocotronischen Humor aus, im Dschungel von Philosophie und Querverweisen auch mal albern zu sein: Ping Pong ohne Hierarchie! Es versteht sich von selbst das wie so oft mit „Macht es nicht selbst“ das schlechteste Lied zur Single-Auskopplung herangezogen wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich können Kritiker wieder das gleiche sagen wie immer: Arrogante Künstlerschnösel, die zusammenhangslose Wortfetzen ausspucken. Und diese Frisuren! Und dieses schwule Gejammer! Muss ja nicht jeder mögen. Und wozu sich für seinen Musikgeschmack verteidigen? Alles hat seinen Wert für irgendjemanden. Egal ob das nun Lady Gaga für einen Teenie ist oder diese unzugänglichen Herren von Tocotronic für mich. „Schall und Wahn“ wird mich wieder einige male durch die Straßen begleiten und jeden Song in verschiedenen Situationen anders interpretieren lassen. Musik und Text, die die Gedanken anregen und neue Standpunkte zur Welt veranlassen, darauf kommt es doch vor allem an. Man muss sich ja an nichts klammern, da oszilliere ich doch lieber.</p>
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		<title>Tocotronic &#8211; Luft</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Feb 2009 08:49:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tomhartig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[Luft]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tocotronic]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Faullenzerhymne? Meditationslyrik? Belohnung für harte Arbeit? Angst vor Veränderungen? Alles in „Luft“ vom Album „Kapitulation“ von Tocotronic enthalten: Luft Die Luft ist so nutzlos um mich herum So schön vergeht jetzt ein Millenium Schon die ersten beiden Zeilen sprechen mit dem Kapitulations-Konzept: Die Schönheit des Negativen. Mit Ignoranz werden selbstverständliche Dinge wie die Luft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p>Eine Faullenzerhymne? Meditationslyrik? Belohnung für harte Arbeit? Angst vor Veränderungen? Alles in „Luft“ vom Album „Kapitulation“ von Tocotronic enthalten:</p>
<p><span id="more-106"></span></p>
<p><strong>Luft</strong></p>
<p><strong>Die Luft ist so nutzlos um mich herum<br />
So schön vergeht jetzt ein Millenium</strong></p>
<p>Schon die ersten beiden Zeilen sprechen mit dem Kapitulations-Konzept: Die Schönheit des Negativen. Mit Ignoranz werden selbstverständliche Dinge wie die Luft betrachtet, nicht gesehen, wie notwendig sie sind, da man so gut wie nie ohne sie auskommen muss. Doch diese einseitige, subjektive Betrachtungsweise wird mitnichten verurteilt, sie wird genossen: Trotz oder gerade wegen der Sinnlosigkeit der Luft vergeht die Zeit, eine Ära, das Millenium schön. Dass sie damit endet muss damit nichteinmal gemeint sein.</p>
<p><strong>Ja ich habe heute nichts gemacht<br />
Ja meine Arbeit ist vollbracht</strong></p>
<p>Ja, eine Antwort auf eine Frage, einen Vorwurf, den wir uns vorstellen müssen. Entsprungen der Leistungsgesellschaft: Wie bitte, du liegst hier rum, erfüllst deine Pflichten nicht, kümmert dich um so etwas unwichtiges wie Luft? Die Antwort zeigt keine Reue, die persönliche Arbeit ist vollbracht:</p>
<p><strong>Ich atme nur</strong></p>
<p>Es fragt sich nun, ist das Atmen, das Existieren, das Bewusstwerden die fragliche Arbeit? Das Auseinandersetzen mit den oben genannten, selbstverständlichen Dingen, die wir so oft ignorieren? Oder ist es das Durchatmen nach der gemachten Arbeit, der verdiente Lohn? Die Hingabe zum Nutzlosen als Zuckerstück für die Knüppelei mit den Aufgaben, die das Leben so stellt?</p>
<p><strong>Genau wie jetzt nur ein bisschen anders wird es sein<br />
Sei schlau und kleb die Bilder ein<br />
Ja ich habe heute nichts gemacht<br />
Ja meine Arbeit ist vollbracht<br />
Ich atme nur</strong></p>
<p>Es geht also um Veränderungen und Erinnerungen. Dinge vergehen, bleiben nur über Metaphern wie dem Fotoalbum für längere Zeit im Gedächtnis. Diese Veränderungen werden nicht sehr positiv betrachtet, weshalb der wiederholte Refrain nun schon wirkt, als würde sich das lyrische Ich gezielt gegen eine erneute Arbeit wehren. Diese Zeilen ergeben vor allem im Folgenden Sinn:</p>
<p><strong>Und jetzt weiter im Text<br />
Neue Fehler warten<br />
Steine liegen auf dem Weg<br />
Ich leg sie rüber in den Garten</strong></p>
<p>Und jetzt weiter im Text: Auch wenn man sich gerne in der Lethargie verlieren möchte, so ist es notwendig, seinen Standpunkt zu verdeutlichen um dies zu legitimieren: Das geforderte zukünftige Handeln trägt Missgriffe in sich, Steine liegen auf dem Weg. Ein Sprichwort sagt, man solle Brücken aus diesen Steinen bauen, hier werden sie nur aus dem Weg gelegt: Die Fehler der Zukunft werden nicht als Chance begriffen, sie werden höchstens gemieden.</p>
<p><strong>Ich warte bis es dunkel ist<br />
Und ich seh die Schatten fliegen<br />
Ich warte bis es dunkel es<br />
Das Nutzlose wird siegen<br />
Das Nutzlose bleibt liegen<br />
Also züchte ich mir Staub<br />
Entschuldigung das hab ich mir erlaubt</strong></p>
<p>Warten, nichts tun. Andere agieren lassen, Schatten werfen lassen. Die Sinnlosigkeit im Handeln, gerade durch die erwähnten, zwangsläufigen Fehler lassen den triumphieren, der sich dieser Aufgabe verwehrt: Wer keinen Nutzen hat, der ist niemandem etwas schuldig. Und wer niemandem etwas schuldig ist, der kann niemanden enttäuschen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren? Unsinn: Wer nicht kämpft, kann nur gewinnen. Diese These ist natürlich höchst provokativ, aber die eine oder andere Überlegung wert und unterwirft sich nicht ganz dem konformativen Leistungsprinzip der Gesellschaft. Staubzüchten ist dabei eine wohlwollende, aktive Umschreibung des eigentlich passiven Nichtstuns: Ganz klar ist Nichtstun eine Tätigkeit, für die man sich scheinbar entschuldigen muss, auch wenn man sich dafür entschieden hat: Der Hohn in dieser Aussage ist nicht zu übersehen, das lyrische Ich ist überzeugt von der Richtigkeit seines Handelns.</p>
<p><strong>Und jetzt weiter im Text<br />
Neue Wege gehen<br />
Ich weiß ich werde jetzt<br />
Jedem zu Verfügung stehen<br />
Ich gehe wenn der Tag beginnt<br />
Und ich seh die Schatten fliegen<br />
Ich gehe wenn der Tag beginnt<br />
Das Nutzlose wird siegen<br />
Das Nutzlose bleibt liegen<br />
Also laufe ich durchs Laub<br />
Entschuldigung das hab ich mir erlaubt </strong></p>
<p>Und so wird die Verweigerung aufgelöst, die vorherigen Strophen werden zu einer Episode, einem endlichen Gefühl, welches jeder einmal durchmacht um sich früher oder später davon zu lösen. Die Lethargie wird ersetzt durch Tatendrang! Ich gehe neue Wege, und wenn noch soviele Steine darauf liegen! Wer will etwas von mir, ich stelle mich ihm! Die Schatten fliegen, ich bin das Licht! Und auch wenn das Nutzlose bestehend bleibt wie totes, sinnentleertes Laub: Ich durchschreite es, lasse es hinter mir. Entschuldigt meinen Sinneswandel, den hab ich mir erlaubt.</p>
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		<title>Tocotronic &#8211; Imitationen</title>
		<link>http://tomhartig.de/wordpress/tocotronic-imitationen</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 08:51:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tomhartig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Tocotronic]]></category>

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		<description><![CDATA[Offizielles Musikvideo zum Lied Vorab: Meine Bemerkungen stellen lediglich persönliche Gedankengänge zum Liedtext dar und haben natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit, insofern es eine solche bei Interpretation überhaupt geben kann. Interessanterweise hielt ich &#8220;Imitationen&#8221; von Anfang an für ein waschechtes Liebeslied, bis mich jemand verwundert darauf ansprach, wie ich denn darauf käme. Dazu im Folgenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<!-- Start Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><!-- End Shareaholic LikeButtonSetTop Automatic --><p><a href="http://de.youtube.com/watch?v=CX9PKpGxAgs">Offizielles Musikvideo zum Lied</a></p>
<p>Vorab: Meine Bemerkungen stellen lediglich persönliche Gedankengänge zum Liedtext dar und haben natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit, insofern es eine solche bei Interpretation überhaupt geben kann. Interessanterweise hielt ich &#8220;Imitationen&#8221; von Anfang an für ein waschechtes Liebeslied, bis mich jemand verwundert darauf ansprach, wie ich denn darauf käme. Dazu im Folgenden mehr.</p>
<p><span id="more-110"></span></p>
<p><span style="text-decoration:underline;"><strong>Imitationen</strong></span></p>
<p><strong>Imitationen von dir<br />
Befinden sich in mir<br />
Imitationen von dir<br />
Verbünden sich mit mir</strong></p>
<p>Ich habe von der Intimitäts-Theorie &#8220;Bei sich sein im anderen&#8221; gehört, dies scheint das Gegenteil darzustellen. Der andere ist in mir, bzw. eine Imitation von ihm. Verliebte würden vermutlich von &#8220;Er/Sie geht mir nicht aus dem Kopf&#8221; reden, man müsse ständig an den anderen denken. Das Ebenbild des Anderen ist in mir, dies könnte auch bedeuten, ich gleiche dem anderen. Ich sehe uns nicht als etwas Divergentes, sondern als etwas Gemeinsames. Das Wort Imitation löst die offensichtliche Unmöglichkeit physisch eins zu sein, so denn es sich denn beim Du um einen Menschen handelt (geht man nicht davon aus, bieten sich viele weitere Interpretationen an). Dass diese Imitationen (wohlbemerkt: Plural) sich mit dem lyrischen Ich &#8220;verbünden&#8221;, sehe ich als positive Wertung des Prozesses an. Die Wortwahl wiederum ist vermutlich dem militärischen Konzept des Albums &#8220;Kapitulation&#8221; zuzuschreiben.<br />
Die Strophe beschreibt also grob gesagt, wie die Vereinigung zunächst fremder Facetten (einer Person?) mit der eigenen Identität vollzogen wird.<br />
Beispiel: Ich passe mich dem Menschen an, den ich liebe.</p>
<p><strong>Berühren und begleiten mich<br />
Sagen es gibt kein wahres Ich<br />
Verspüren und bereuen nichts<br />
Spucken den Leugnern ins Gesicht</strong></p>
<p>Die Liebe als Verführer? Die Erlösung durch Selbstaufgabe: ein Bild, welches sich durch das ganze Album zieht. Die Anpassung an andere ist so angenehm und befreiend, dass man seine eigene Identität aufgeben möchte. Wir bilden uns ein, es hätte kein &#8220;wahres Ich&#8221; gegeben, wir seien so, wie uns das beruhigende Gefühl der Gemeinsamkeit verspricht. Wie sehr verteidigt man nicht auch in einer Verliebtheit die Gemeinsamkeiten mit dem Partner gegenüber anderen und &#8220;leugnet&#8221; Kommentare wie &#8220;Du hast dich verändert&#8221;? Diese Selbstaufgabe wird zunächst nicht bereut oder auch nur wahrgenommen, wenn auch oft hinterher umso mehr.</p>
<p><strong>Dein gut ist mein gut<br />
Dein schön ist mein schön<br />
Dein wahr ist mein wahr</strong></p>
<p>Man sieht die Dinge also mit den Augen des anderen, bejaht dessen Aussagen, findet schön, was er schön findet. Spätestens jetzt ist die Selbstaufgabe vollkommen, man kann kein eigenes Urteil mehr bilden.</p>
<p><strong>Imitationen von dir<br />
Wiederholen sich in mir<br />
Imitationen von dir<br />
Klopfen an die Tür</strong></p>
<p><strong>Und leise reden sie mir ein<br />
Du musst nicht du selber sein<br />
Und leise reden sie mir ein<br />
Wir werden dich von dir befreien</strong></p>
<p><strong>Dein schlecht ist mein schlecht<br />
Dein schlimm ist mein schlimmm<br />
Dein schlimm ist mein ganz schlimm</strong></p>
<p>Interessanterweise handelt es sich bei diesen drei Absätzen um fast inhaltslgeiche Wiederhohlungen der drei Absätze davor. Während dort jedoch die Imitationen als eine Art Befreiungsfront erscheinen, werden sie zunehmend konspirativ. Nicht der Kampf gegen außenstehende Leugner wird gefochten, sondern gegen die eigene Identität, von der sie das lyrische Ich &#8220;befreien&#8221; wollen, als wäre es unanehmbar. Sie reden ein, sie überzeugen, sie überwältigen. Sie sind gekommen, klopfen an die Tür, doch wollen dich hinauswerfen. Dieser negative Aspekt der Vereinahmung durch Andere wird im dritten Absatz durch eine Umkehrung vom Guten zum Schlechten betont: Was du schlecht findest, muss ich auch schlecht finden. Ich habe nicht Mitgefühl mit dir, sondern ich übernehme einfach dein Gefühl.</p>
<p><strong>Du bist so viel gereist<br />
Im Zickzack durch die Zeit<br />
Nirgendwo wo du bleibst<br />
Manchmal nur durch Träume treibst<br />
Fast durch die ganze Welt<br />
Bist du zu mir bestellt<br />
Fast durch die ganze Welt<br />
Bist du zu mir bestellt</strong></p>
<p>Eine interessante Umkehrung des Abhängigkeitsverhältnisses: Du, dessen Imitationen ich in mir trage, in den ich vielleicht verliebt bin, du bist zu mir &#8220;bestellt&#8221;, ohne Wahlmöglichkeit. Hattest in der Welt keinen Sinn, warst rastlos, in Träumen versunken. Bist du mich gefunden hast und dich in mir (Imitationen!) widerspiegeln kannst. Diese Passage erweckt tatsächlich Mitleid mit dem &#8220;Du&#8221; und relativiert die Passiv/Aktiv-Konstruktion der beiden Protagonisten. Im Liebesbeispiel: Der Geliebte kann nichts dafür, dass er geliebt wird, auch nicht, wenn er davon profitiert.<br />
Da das lyrische Ich die Zeilen formuliert, können sie natürlich auch subjektiv ausgelegt werden, als eine Art Besitzanspruch: Du wurdest nur dazu geschaffen damit ich dich lieben kann. Diese einseitige Betrachtungsweise würde jedoch wiederum die Abhängigkeit des Erzählers betonen. Wenn er sich ganz dem anderen ergibt und dessen Identität annimmt: Was bleibt dann, wenn dieser ihn zurückweist?</p>
<p><strong>Dein gut ist mein gut<br />
Dein schön ist mein schön<br />
Dein wahr ist mein wahr<br />
Dein schlecht ist mein schlecht<br />
Dein schlimm ist mein schlimmm<br />
Dein schlimm ist mein ganz schlimm</strong></p>
<p>Nocheinmal die Wiederholung der positiven und negativen Aspekte, die zeitgleich mit der Selbstaufgabe für einen anderen (alternativ: eine Sache) auftreten. Selbstverständlich kann beides insgesamt als erstrebenswert erachtet werden oder eben abgelehnt werden.</p>
<p>Auch wenn ich wie gesagt das Lied von jeher als Liebeslied gesehen habe (die persönlichen Identifizierungsprozesse springen wohl bei diesem Thema augrund der starken Bedeutung immer als erste an), könnte man es wie erwähnt auch auf andere Bereiche übrtragen (Aufgabe der eigenen Meinung, Übernahme von gesellschaftlichen Überzeugungen etc.).</p>
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