Brief – Der Super Reader

RSSIch möchte an dieser Stelle mein aktuelles Lieblings-Plugin von Firefox vorstellen: Brief. Brief ist ein Reader für RSS-Feeds. Soweit ist das nichts besonderes, Reader gibt es wie Sand am Meer, meist als Aggregator-Websites wie Netvibes oder iGoogle bzw. den Google-Reader (siehe Ab heute bin ich Google-Hure). Was mich an diesen Readern immer gestört hat:

1. Man muss soviel Selbstdisziplin haben, die Reader aufzurufen und sich ggf. einloggen um zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Das klingt jetzt superfaul, aber ich konnte mich nie daran gewöhnen, die Reader zu besuchen. Das lag aber auch an

2. Das Anzeige-Format neuer Einträge ist für meinen Geschmack oft suboptimal. Einträge werden verknappt dargestellt, komisch formatiert, teilweise sogar nur als Titel angezeigt.

Viele Reader hatten meist zumindest eins dieser beiden Probleme, die mich abgeschreckt haben. Hier kommt nun Brief ins Spiel: Brief ist die ganze Zeit automatisch im Hintergrund des Browsers aktiv. Ein kleines Symbol in der Statusleiste zeigt jederzeit an, wie viele ungelesene Feed-Beiträge auf einen warten. Ähnlich wie bei Twitter-Apps oder IMs erscheint immer kurz eine Einblendung, wenn ein neuer Feed-Eintrag erschienen ist. Somit ist man quasi niemals getrennt vom Informationsfluss seiner persönlichen Wahl. Ein Klick auf das Brief-Symbol, und schon sieht man alle ungelesenen Beiträge. Und weil das ganze ein Plugin und keine Internetseite ist, passiert das ganze auch ohne jede Ladezeit. Damit ist Problem 1 schonmal wunderbar gelöst.

Brief funktioniert ganz simpel: Links sind alle abonnierten Feeds zu sehen (einfach dem Plugin sagen, in welchem Lesezeichen-Ordner die abonnierten Feeds sind), rechts die entsprechenden Einträge. Entweder man schaut sich übersichtlich alle Einträge an, oder alle Einträge eines bestimmten Feeds. Ebenso gibt es die Möglichkeit, bestimmte Einträge mit einem Lesezeichen zu versehen. Wie oft Brief die Feeds nach neuen Einträgen scannt, ist einstellbar. Oft ist der Beitrag schon in Brief vollständig erfassbar, die Original-Seite extra zu besuchen ist nicht zwingend notwendig. Wer das will, einfach den Eintrag anklicken. Auch Youtube-Videos, Bilder etc. werden schon direkt in Brief angezeigt und sind ohne Einschränkung abspielbar. Problem 2: Abgehakt.

Für mich hat Brief ein ganz neues Surfgefühl ermöglicht. Ich muss nicht die Infos suchen, sondern die Infos kommen zu mir.  Anstatt immer 10 Favouriten (umsonst) abzuklappern, werd ich sofort informiert, wenn eine von 50 oder mehr interessanten Seiten etwas neues zu bieten hat. Der Grundgedanke von RSS-Feeds, ich weiß, aber lieber spät als nie. Und mit diesem Plugin: Besser gehts nicht. Große Empfehlung!

Pro.

Ab heute bin ich Google-Hure

e-mailen_mit_Das Problem mit Webdiensten ist ja, dass sie uns das Denken abnehmen. Soziale Netzwerke ersetzen ersparen die lästige Kommunikation im echten Leben, Twitter und RSS erspart das mühselige Durchforsten des Webs. Ich mache weniger, ich lasse machen. Das ist bequem. Und gefährlich. Wer Hilfe will, muss Daten angeben. Die sind dann im Netz, mehr oder weniger vertrauenswürdig gesichert. Zwar bemüht man sich, ein sicheres Verhalten im Netz zu lehren, aber mal abgesehen davon, wer sich daran hält: Wenn man sich nicht total verweigert, kann man auch nicht mehr als das Mindeste tun. Wer sagt mir denn, dass meine “geheimen” Angaben nicht hinterrücks weiterverkauft werden? Das Stichwort heißt hier Vertrauen.

Vertrauen sollte man nicht leichtfertig verschenken. Aber man ist darauf angewiesen, weil man sonst an der Welt nicht teilnehmen kann. Das führt dann nämlich zur Paranoia. Klar kann es sein, das Google meine Daten verkauft. Es kann auch sein, dass die Ampel an der Kreuzung falsch geht oder der Staat mich ausspioniert. Trotzdem begebe ich mich täglich in den Verkehr und wandere nicht aus. Es ist also ganz dem persönlichen Empfinden überlassen, ob man einem Anbieter vertraut oder nicht. Mächtige Konzerne haben selten einen guten Ruf, denn wer reich ist, muss ja Dreck am Stecken haben, oder?

Seit heute nutzte ich die Google-Dienste. Kalender, Mail, Photos, RSS-Reader, Schreibprogramme. Ein unsicheres Gefühl ist da, ja. Aber auch Sicherheit in Hinblick darauf, dass meine Daten schön verwaltet werden. Tut der PC ja auch, nur jetzt ist das ganze halt ins Netz ausgelagert. Wer es dort angreift und ausspioniert, könnte es vielleicht auch auf meinem PC tun, wenn der am Kabel hängt. Meine Dozenten, ihres Zeichens Vorbilder, tun es ja auch. Also Google-Apps nutzen nun, nicht hacken. Und ich denke, dass langfristig ein Umzug der Gesellschaft von ihren lokalen Netzwerken ins Netz ohnehin unvermeidlich ist. Da kann man das ja zumindest einmal ausprobieren. Auch als Vorbereitung auf Google Wave.

Ob ich Google auch nur mehr als einen Tag die Treue halte, wird sich zeigen. Ich bin auch gespannt, wann die erste Spam-Nachricht bei Google Mail eintrifft, ohne dass ich die Adresse irgendwo angegeben hätte.

Ich erwarte Nachrichten wie “Du Idiot wie kannst du nur” und “Viel Spaß beim Ausverkauf deiner Seele” in 3…2…1…Jetzt.