Michael Jackson ist also tot. Und als wären die Menschen nicht schon zu seinen Lebzeiten gespalten gewesen ob man nun den Künstler ehren oder den Freak als Pädo-Jacko verdammen soll, so zeigt sich bei seinem Tod auf einmal fromme Einigkeit: Ein großer Sänger und Tänzer ist von uns gegangen. Nationen trauern, die Medien bringen Sondersendungen, der Tod und die Pietät erlauben keine kritischen Worte. Die Skandaljahre werden fast nur als Pflichtprogramm für die Biographie angesprochen. Als wäre es fairer jemanden im Tod in Ruhe zu lassen, weil er sich zu Lebzeiten ja hätte wehren können. Sicher.
Nicht, dass ich aufrufen würde sich über sein Ableben zu freuen (wie es einige scheinbar tun). Letztendlich, was hat er uns denn getan? Er hat sicherlich nicht in den letzten Jahren die Kameras auf sich gezogen um sich als Freak zu präsentieren, das haben die Medien und das wollten die Konsumenten. Kein Wunder, wenn man da zunehmend seltsam und zurückgezogen lebt. Ich kann nicht verstehen, wie einige sich anmaßen können, über jemanden zu urteilen, den sie nicht persönlich kennen. Das gleiche gilt für die Missbrauchsvorwürfe, bei der ich es wie mit der Gretchenfrage halte: Ich kann es gar nicht wissen, warum sollte ich mich also vielleicht zu Unrecht für schuldig oder unschuldig entscheiden?
Klar, die Berichterstattung über diese wichtige Pop-Figur ist angemessen. Ich kritisiere lediglich, wie stark er plötzlich auf ein Podest gehoben wird, was ihm die Jahre vor seinem Tod noch verwehrt geblieben ist. Von den gleichen Leuten, wohlgemerkt.
Kontra.
