Facepalm
Wirtschaft ist manchmal ziemlich paradox. Auf der einen Seite wünschen wir uns Vielfalt und Wettbewerb: Jeder hat (theoretisch) eine Chance auf Erfolg, alle geben ihr bestes um diesen zu erreichen. Wenn alle ihr bestes geben, kommt für alle das beste dabei heraus. Eine tolle Sache. Menschen denken aber selten im Kollektiv, sondern in erster Linie an sich selbst. Monopole sind nämlich eine ebenfalls ganz wunderbare Sache für die, die dieses Monopol besitzen bzw. mit diesem zusammenarbeiten.

Facebook hat so ein Monopol. Eine ganze Menge Menschen sind dort. Sagen wir, ich bin eine Firma. Ich möchte für mein Produkt werben und ich möchte dafür möglichst viele Menschen erreichen. Möglichkeit a) Ich baue eine tolle Internetseite auf der ich mich und meine Produkte preise bzw. ich mache eine Microsite extra für das Produkt. Möglichkeit b) Ich gehe an einen Ort, wo schon ganz viele Menschen sind und bewerbe mein Produkt dort: Eben Facebook. Klingt gut, nicht? Unter Verzicht von kompletter Designkontrolle erreichen Firmen über Facebook kostengünstig ein gewaltiges Publikum. Wozu da noch eigene Webseiten gestalten? Im Blog Fischmarkt findet sich eine interessante Beobachtung zu diesem Thema, welche die Tendenz zur Facebook-only-Werbung aufgreift.

Fällt etwas auf? Facebook hat das Potential sich zu einer Art Parallel-Internet aufzuschwingen. Netzwerk ist Netzwerk, nicht? Nicht nur sind zunehmend Inhalte im Rahmen von Facebook abzurufen, Facebook findet sich immer mehr mit seinen Funktionen auf regulären Websites wieder. Große Internetseiten haben kein Interesse daran Dienste von verschiedenen Anbietern zu integrieren, sie entscheiden sich für die Größten oder eben für den Größten: Facebook. All diese Verknüpfung/Verortung geschieht unter der Kontrolle eines privatwirtschaftlichen Unternehmens, wohlgemerkt. Die Nützlichkeit der Dienste täuscht darüber hinweg, dass man sich ganz in die Obhut eines Konzerns begibt. Das kennen wir ja auch von Apple und Co. zur Genüge. Die Frage ist: Wo führt das hin? Der nächste Schritt für Facebook müsste heißen: Freie(re) Gestaltungsmöglichkeiten von Facebookseiten, damit es gar keinen Grund mehr für eine „eigene“ Internetseite mehr gibt. Natürlich mit Flash. Schöne neue Welt.

Die Forderung lautet wie so häufig: Offene Standards. Klar strömen die Menschen früher oder später zu einem Anbieter. Wieso soll ich mich bei einem anderen Netzwerk anmelden, wenn alle meine Freunde bei Facebook sind? Wieso Google Buzz benutzen, wenn es doch schon Twitter gibt? Alle wollen das gleiche und um das zu bekommen, sind sie derzeit gezwungen sich einem Anbieter zu unterwerfen. Wieso muss Facebook drüber stehen? Diese Firma bietet nicht mehr, als was das Internet an sich schon bietet: Die Möglichkeit, sich zu verbinden. Aber bitte ohne eine private Kontrollmacht darüber.

Übrigens wird der Aufstieg von Mark Zuckerberg gerade verfilmt. Von David Fincher! Das könnte interessant werden.

P.S. Das ist nicht so extrem gemeint, wie es klingt. Es wäre naiv zu fordern, wirtschaftliche Interesse aus dem Netz zu verbannen. Ich sage nur man sollte kritisch die Tendenzen betrachten, in die sich das Netz entwickelt. Und den erfolgreichen Webbern ein wenig auf die Finger klopfen, dass sie ihre Technik für den Markt öffnen, eben über Standards. Wir können ja auch mit Handys von unterschiedlichen Herstellern miteinander telefonieren.