Soylent Green

soylentEin weiterer Film abgehakt auf meiner To-Do-List: Soylent Green. Der in Deutschland unter dem sperrigen Titel „Jahr 2022… die überleben wollen“ erschienene Sci-Fi-Klassiker Jahrgang 1973 gilt (laut Wikipedia) als eine der ersten Öko-Dystopien und ist mir namentlich schon des öfteren in der Popkultur begegnet, sei es in Anspielungen bei den Simpsons und Futurama oder als Bandname der Vorgänger der Ärzte. Auch das Zitat „Soylent Green is people! / Soylent Grün ist Menschenfleisch!“ ist des öfteren mal zu hören. Grund genug also, sich diesen Film doch zumindest einmal angeschaut zu haben.

Wir befinden uns im Jahr 2022 (wer hätt‘s gedacht), die Welt ist restlos überbevölkert und allein in New York leben 40 Millionen Menschen. Aufgrund des Treibhauseffekts herrschen das ganze Jahr über hochsommerliche Temperaturen, sämtliche Ressourcen sind knapp. Die Masse der Bevölkerung wird mit Energieriegeln aus Sojabohnen wie Soylent Red oder Soylent Yellow ernährt, während sich nur die Superreichen Luxus wie fließendes Wasser, Gemüse und Fleisch leisten können. Der Plot ist austauschbar: Der Cop Robert Thorn ermittelt in einem Mordfall an einem alten, reichen Mann und kommt dabei einer Verschwörung auf die Spur. Gähn.

Im Grunde dient die Story nur als Vehikel, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu portraitieren. Mangels Papier fungieren alte Menschen als Bewahrer des Wissens, werden sogar konkret als „Bücher“ bezeichnet und den jüngeren Arbeitern zugeteilt. Wenn sie nicht in die Klinik gehen um sich zum Wohl der Gesellschaft einschläfern zu lassen. Die Objektivierung des Menschen durchzieht den ganzen Film: Frauen gehören als „Inventar“ zur Wohnungseinrichtung und werden von Mieter zu Mieter weitergereicht. Es herrschen klare Klassenunterschiede, besser gesagt: Eine eindeutige Hackordnung. In dieser Welt gilt: Umso mehr Menschen es gibt, umso weniger ist jeder einzelne wert. Die Schwachen werden unterdrückt, jeder greift sich, was er kriegen kann. Die Treppenhäuser und Kirchen sind überfüllt mit Notleidenden und Toten, bei alltäglichen Aufständen bei den Essensausgaben setzt die Polizei Schaufelbagger ein um die Massen wie Bauschutt beiseite zu schaffen. Natürlich ist die Polizei wie jeder andere auch korrupt.

Konsequenter Weise ist auch die Hauptfigur Teil dieses Systems und steht nicht darüber: Thorn provoziert, stiehlt, verprügelt wo er nur kann, um seine Ziele durchzusetzen. Er ist deswegen mitnichten ein Bösewicht, er kennt es nur nicht anders. Im Gegensatz zu seinem „Buch“ Sol hat er nie eine andere Welt kennengelernt und fühlt sich von dessen alten Geschichten genervt. Umso unglaublicher sind für ihn die Erfahrungen, wenn er das erste mal in seinem Leben echtes Fleisch essen kann oder Videoaufzeichnungen von einer intakten Umwelt zu sehen bekommt.

Charlton Heston (dem man sein Gewehr jetzt wohl mit seinem Einverständnis aus seinen „kalten, toten Händen“ entnehmen kann) liefert hier eher eine durchwachsene Leistung ab. Das passt gut zur allgemeinen Inszenierung, bei der sich Regisseur Richard Fleischer nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Langweilige Kameraarbeit, schrecklich langgezogene Milieudarstellungen, wo man bereits nach 5 Minuten des Films schreit: Ja, ich hab begriffen, dass die Ressourcen knapp sind. Go on with it! Positiv fällt die Härte auf, die an Dirty Harry erinnert. Hier wird nichts beschönigt wie noch in den 50ern, es ist dreckig, es wird geblutet, es wird geschwitzt. Der Film macht keine Kompromisse.

Netterweise verzichtet der Film fast vollständig auf irgendwelche Zukunftstechnologien, die im Normalfall die Geschichte eines Sci-Fi-Films nicht um einen Jota vorantreiben. Hier sieht alles aus wie in den 70ern, nur mit einer anderen Gesellschaft. Woher soll neue Technik auch kommen, wenn die Ressourcen alle sind? Die Qualität des Films besteht hauptsächlich in seiner inhaltlichen Zeichnung einer möglichen Zukunftsgesellschaft, die den Wert menschlichen Lebens hinterfragt. Und natürlich, wie es sich für gute Science Fiction gehört, unser heutiges Verhalten kritisiert. Soylent Green zeigt die möglichen Folgen einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur, in dem die rücksichtslose Natur des Menschen in der daraus folgenden Notsituationen präsentiert wird. Der Wohlstand des Fortschritts kehrt sich um und führt zurück in archaische Verhältnisse. Fressen, oder gefressen werden. Notfalls auch die eigene Spezies. Soylent Green is people!

Fazit: Coole Ideen, mittelmäßige Umsetzung. Sollte man genau 1x gesehen haben.

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