So, der erste der Filme, die ich derzeit unbedingt sehen will, ist erledigt: Slumdog Millionaire (still to go: The Wrestler, Frost/Nixon, Gran Torino, Watchmen).

slumdog_millionaireViel habe ich im Vorfeld darüber gehört, über diese kleine, herzerweichende Überraschungsperle aus Indien, Oscar-Abräumer (8 Stück!) ohne einen einzigen Star. Was habe ich erwartet? Durchaus viel, auch wenn Indien an sich als Kulturraum nicht gerade zu meinen Favoriten zählt, was auch damit zu tun haben dürfte, dass ich filmtechnisch mit diesem Land außer dem zahllosen Bollywood-Schund rein gar nichts verbinde.

You know what? Die Kritiken hatten vollkommen recht, Danny Boyles Film ist einfach wundervoll. Und wie so oft bei wundervollen Filmen lässt sich gar nicht genau sagen, woran das liegt.

Die Story an sich ist recht schnell erzählt: Unser Held Jamal Malik wächst in den Slums von Mumbai auf, durchlebt eine harte Reise zusammen mit seinem vom rechten Wege abgekommenen Bruder und seiner Jugendliebe und tritt schließlich bei „Wer wird Millionär“ auf, um mit ihr ein neues Leben beginnen zu können. Das klingt banal, ist aber hinreißend inszeniert. Die Schauspieler sind nicht atemberaubend, aber trotzdem sehr passend. Zusammen mit ihnen durchlebt man nicht nur den Verlauf in ihrem persönlichen Schicksal sondern auch die Veränderung ihrer Heimat: Bürotürme entstehen dort, wo früher die lebhaften Slums waren, doch statt für Erfolg stehen sie eher für eine kalte, leere Moderne, die sich nicht um das Schicksal ihrer Bewohner kümmert. Wir begegnen Bettlerkindern, die von Gangstern auf die Straße geschickt werden und für erhöhten Profit geblendet werden. Wir sehen minderjährige Mädchen, die an den Meistbietenden verschachert werden. Wir sehen die Menschen, die aufgrund ihrer vermeintlich falschen Religion abgeschlachtet werden. Und wir sehen, wie eine ganze Nation abends an den Fernsehschirmen hängt, und sei es nur an denen hinter dem Schaufenster, um eine Show zu sehen, die für den Traum eines jeden von ihnen steht: Dem Elend zu entkommen. Der Traum vom Geld, der letztendlich, so zeigt uns der Film, ins Verderben führt.

Ich glaube der große Verdienst des Films ist seine stimmige Inszenierung. Das Drehbuch wechselt einfach super zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit, zeigt mit unkonventioneller Musik und wundervoller Kameraarbeit eine tolle Milieustudie der indischen Slums, wo ein absurdes wie tragisch grausames Ereignis das nächste jagt. Der Film pulsiert nur so vor Leben und Emotionen und reißt einen einfach mit, so dass mich sogar die einzige Tanzszene am Schluss des Films nicht verärgert hat. Slumdog Millionaire hat mich wirklich mehrmals schockiert und zu Tränen gerührt, und das schaffen nicht viele Filme. Unbedingt sehenswert!

Und am Ende triumphiert allein die wahrhaftige Liebe. Wieso sollten wir es auch anders wollen?

Pro.