Pirates Of The Caribbean – Fremde Gezeiten

Jack Sparrow

Jack Sparrow ist wieder da. Fehlt da nicht irgendwo ein Capt’n? Ja, tut er. Der vierte Aufguss des eigentlich amüsanten Südseeabenteuers schippert nämlich zielos umher, geht mächtig baden, läuft ordentlich auf Grund.

Neues Spiel, neues Glück?

Ich mein, ich hab es ja geahnt. Neuer Regisseur (Rob Marshall), neue Story. Und Johnny Depp macht nur mit, weil seine Kinder das so wollten. Und darf als Jack Sparrow jetzt ganz konkret den ganzen Film als Held leiten, was halt einfach nicht zur Rolle passt. Aber man schauts sich ja doch an, die Hoffnung stirbt zuletzt. Bei mir dann etwa so nach 15 Minuten im Film.

Jack begibt sich in diesem Film auf die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend, mit an Bord sind Kapitän Blackbeard (Ian McShane) sowie  Angelica (Penelope Cruz) als Love Interest. Auch Barbossa (Geoffrey Rush) und Gibbs (Kevin R. McNally) sind wieder mit von der Partie. Auf ihrer Reise kriegen sie es mit Meerjungfrauen und der spanischen Marine zu tun…und das wars. Die Story des Films ist leider eine völlige Gurke. Lieblos wird von Schauplatz zu Schauplatz gesprungen, werden Nichtigkeiten ausgetauscht, die später nie wieder eine Rolle spielen werden. Wer mit wem, wann und warum…es ist einem schnell egal. Moment, war das nicht auch schon bei Teil 2 und 3 so? Aber die fand ich doch gar nicht soo übel?

Es geht nicht um das Was, sondern um das Wie

Das liegt daran, dass man Fluch der Karibik nicht wegen einer großen Story guckt. Es ist ein Abenteuerfilm, man will unterhalten werden. Tolle Orte sehen, Kostüme bewundern, abwechslungsreiche Action betrachten und über schmissige Oneliner von Capt’n Jack Sparrow lachen. Und genau hierbei versagt Teil 4 leider völlig. Der Film ist ein Paradebeispiel dafür, dass es nicht ausreicht, liebgewonnene Figuren in vertrauter Umgebung zu platzieren und auf den Geldsegen an den Kinokassen zu warten (der natürlich kommen wird). Denn sowohl Drehbuch als auch Action lassen jenen Einfallsreichtum vermissen, der Teil 1 bis 3 (abnehmend) zu tollem Popcornkino machten. Gags wirken bemüht, sind selten lustig (man lächelt halt höchstens weils eben Jack Sparrow ist) und sind einfach nur ein lauer Aufguss von Altbekanntem. Die Dialoge führen nirgendwo hin und lassen den Zuschauer oft mit einem Fragezeichen zurück: Was sollte das jetzt? Das Drehbuch baut immer wenns gerade einmal passt irgendeine Prophezeiung oder ähnliches ein, um Dinge zu erklären, die gerade keinen Sinn machen. Screw this, next scene. Logik kann man bei Fremde Gezeiten komplett über Bord werfen. Die Filme haben sich zwar schon immer von toller Szene zu toller Szene gehangelt, aber das ist es eben: Sie waren toll. Oder zumindest beeindruckend. Oder interessant. IRGENDWAS.

Und wieder ne Prügelei. Und wieder ein Schwertkampf.

Was ich noch schlimmer finde als uninspirierte Sinnlosdialoge: Uninspirierte Action. Wann kapieren Filmemacher das endlich: Es ist nicht unterhaltsam, fünf Minuten am Stück Sachen explodieren zu lassen oder Leute die Schwerter kreuzen zu lassen. Da muss auch was Originelles bei passieren! In Teil 1-3 war in Kampfszenen bei jeder 3. Einstellung ein Gag enthalten oder zumindest eine interessante Idee, zum Beispiel Jack und Wills erster Kampf in der Schmiede – Kampf auf den Dachbalken, auf einer wippenden Karre, Katapultwirkung, Blasebalk, Esel, in den Pausen guter Dialog…so muss datt. Das war interessant zuzuschauen. Wenn Jack im 4. Teil auf Angelica trifft und mit ihr kämpft, schaut man den beiden 2 Minuten lang zu wie sie fechten. Was, beide stehen auf rollenden Fässern? Ja, das könnte doch spannend..ach nee, sind schon wieder runter. Blupp. Die bekannte Musik ist dabei übrigens auch nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ab und zu die altbekannten Motive, sonst nur Lärm. Meine Abneigung zu Hans Zimmer wächst, zumal ja alles Gute vom Karibik-Soundtrack eh dem ursprünglichen Komponisten Klaus Badelt zuzuschreiben sein soll.

Wann gehts endlich los?

Der Film strotzt von Möglichkeiten, die nicht genutzt werden. Das ist es, was am meisten wehtut. Man sieht Figuren, die man eigentlich mochte, die sich aber irgendwie verändert haben. Andere lieb gewonnene Nebenfiguren sind verschwunden (Pintel und Ragetti) und wurden durch Pappkameraden ersetzt. Man sieht Schauplätze und Handlungsfetzen mit Potential, die dann aber so schnell fallengelassen werden, wie sie kamen. Ein Subplot um einen Kleriker und eine Meerjungfrau zählt übrigens nicht dazu, den hätte man gerne komplett streichen können. Es ist kein gutes Zeichen, wenn ich im Kinosessel sitze, zunehmend mit den Fingern auf die Lehne klopfe und alle 2 Minuten zur Leinwand rufe: WHAT? Bullshit! HÄ? Argh.

Der Film wirkt im großen und Ganzen wie eine reduzierte Fassung des Originals, dem der Witz und die Energie ausgesaugt wurden. Alles scheint etwas billiger, etwas weniger beeindruckend. Leere Figuren vor leeren Kulissen. Teil 2 und 3 waren storymäßig zwar überladen, aber hatten Witz, Charisma und Tempo. Teil 4 fehlt jeglicher Drive. Ich vermag nicht zu sagen, obs am Regisseur liegt. Es scheint, als hätte er die Triologie kopieren wollen, aber nicht die Fähigkeiten dazu gehabt.  Fazit:  Geschichte schlecht, Handwerk schlecht. Da kann auch Jack Sparrow nichts mehr retten. Der Witz wurde zu oft erzählt.

P.S. Aber ein toller Film für “Das hätte ich aber anders gemacht”-Hobbyregisseure.