Gesünder leben, der zweite Versuch: Ich habe wieder angefangen zu joggen. Wer mich kennt, weiß, dass ich alles andere als der sportliche Typ bin. Wenig Bewegung und mangelhafte Ernährung führten früher zu starkem Untergewicht. Inzwischen esse ich mehr und das Gewicht ist okay, von einem gesunden Lebensstil kann aber nicht die Rede sein. Eine schlechte Haltung, Rückenschmerzen und mangelnde Ausdauer mögen zwar Volkskrankheiten sein, aber schöner macht es das auch nicht.

Früher war mehr Lametta

Vor einigen Jahren hatte ich deshalb schon einmal damit begonnen, regelmäßig zu laufen. Dauer, Strecke und Tempo waren zu Beginn lächerlich schlecht. Aber das war kein Grund aufzuhören, sondern eher Motivation weiterzumachen. Ich habe damals mit einem Trainingsplan für Anfänger gearbeitet, der sehr moderat anfängt (ich meine es waren 3 x 4 Minuten Laufen mit jeweils 2 Minuten Gehen) und zum Ziel hatte, eine halbe Stunde ohne Unterbrechung laufen zu können. Was mich damals sehr überrascht hatte: Die Leistungsverbesserung stellte sich enorm schnell ein. Mit jedem Lauf (jeden zweiten Tag) fiel es mir sehr viel leichter, die geforderte Dauer einzuhalten bzw. längere Strecken ohne Pause zu absolvieren. In wenigen Wochen war ich nicht mehr nach 5 Minuten Dauerlauf erschöpft, sondern konnte problemlos die 30 Minuten am Stück laufen. Das war dann auch das erste mal, dass nicht die Ausdauer das Aufhören signalisierte, sondern das Brennen in den Beinen. Sowas war mir bis dato völlig unbekannt. Ich muss dazu sagen, dass die ausgelutschten Sprüche über Sport tatsächlich stimmen – Körpergefühl und allgemeine Energiereserven für den Alltag hatten sich tatsächlich ebenfalls verbessert. Und den Stolz wollen wir auch nicht vergessen.

Leider hat sich dann irgendwann die Faulheit wieder eingenistet. Ich weiß nicht mehr genau, welche Faktoren zum Aufhören animierten. Weniger Zeit wegen dem neuen Job? Die abflachende Kurve der Leistungssteigerung? Jedenfalls war irgendwann Schluss. Auf Arbeit hatte ich immerhin halbwegs Bewegung (mehr als zuvor im Studium), aber Sport ist natürlich was anderes.

Let’s try this again

Nun, 4 Jahre später, bin ich 30. Die körperlichen Wehwehchen werden mehr und eine neue Arbeit reduziert die Bewegung auf nahezu Null. Aber Jammern und Bedauern ändern nichts – deshalb habe ich heute wieder angefangen zu laufen.

Eine wichtige Lektion habe ich vom letzten Mal mitgenommen: Zwar hilft es gerade zu Beginn, sich mit einigen Grundlagen zu beschäftigen wie Trainingshäufigkeit, Intensität etc. Wichtig ist es jedoch auch, sich das Drumherum ums Laufen so angenehm wie möglich zu machen. Ich hatte mich damals ausführlich belesen, Ratgeber gewälzt, Brustgurt und Pulsuhr angelegt, die Herzfrequenz gemessen, Thermounterwäsche für den Winter besorgt, mich mit technischem Schnickschnack rumgeärgert, sprich: Mich im Kopf mit allem Möglichen belastet. Völlig unnötig! Natürlich sind diese Maßnahmen toll, um das Training zu optimieren. Aber um etwas zu optimieren, muss überhaupt erstmal eine Basis geschaffen werden. Wer nicht in der Lage ist im Schlabbershirt und ausgelatschten Turnschuhen regelmäßig Runden zu drehen, der braucht auch nicht teures Equipment auffahren. Das will sich erstmal verdient werden.

Für den zweiten Versuch probiere ich es deshalb erst einmal langsam angehen zu lassen. Statt Pulsuhr plus Gurt kommt diesmal die allseits beliebte Läufer-App Runtastic zum Einsatz (vorerst in der Gratis-Variante). Größter Vorteil: Die App trackt für mich alle möglichen Details zu jeder Trainingseinheit. Da muss ich mir also währenddessen keine Gedanken drum machen und kann später in Ruhe auswerten und mein Training anpassen.

Musik ist mir beim Laufen wichtig – sie lenkt von dem Gedanken ab, die Anstrengung einfach vorzeitig zu beenden. Abgesehen vom Unterhaltungsfaktor gibt es aber auch Stücke, die einen einfach motivieren, weiterzumachen (“Gonna Fly Now” vom Rocky-Soundtrack ist da natürlich der Klassiker).

Größtes Manko (denke ich) in meiner Ausrüstung sind die Schuhe. Es ist tatsächlich etwas lächerlich bei dem mit großem Abstand wichtigsten Faktor beim Lauftraining zu knausern. Ich laufe derzeit mit absoluten Billigturnschuhen, die ich vor 10 Jahren nur deshalb für wenig Geld schnell gekauft hatte, damit ich für Drehaufnahmen eine Turnhalle betreten durfte. Auf der anderen Seite bin ich inzwischen sehr vorsichtig geworden Geld für Dinge auszugeben, die ich dann eventuell nicht durchziehe. Was häufiger vorkommt. Wer dieses Blog kennt… Gute Laufschuhe werden also besorgt, sobald sich mittelfristig eine Regelmäßigkeit des Trainings abzeichnet.

22.7.2017 – Das erste Mal (schon wieder)

Heute also der erste Lauf. Das Ziel für die nächste Zeit ist es erst einmal, wieder regelmäßig 30 Minuten ohne Pause laufen zu können. Ich denke, das ist im Vergleich zu meinen ersten Lauferfahrungen schneller zu erreichen. Irgendwo da im Körper sind diese alten Trainingsreserven abgespeichert – hoffe ich. Als Strecke dient wie bei meinen ersten Läufen der Nordpark in Magdeburg, diesmal aber die größere Runde (weniger Versuchungen beim Start-Ziel-Punkt das Training zu beenden). Runtastic will beim Beginn gleich auf Facebook meine Rückkehr zur körperlichen Ertüchtigung verkünden. Das lehn ich vorerst ab – zu peinlich, falls ich doch gleich wieder aufgebe. Eine alte Jogging-Playlist habe ich noch. Also Musik los, Beine los.  

Schwer zu sagen, ob ich nach zwei Runden schließlich zu früh aufhöre oder nicht. Dieser erste Lauf soll ja auch ein Testballon sein um meinen aktuellen Fitnessstand einzuschätzen. Mein Limit war das noch nicht, aber der Schweiß strömt. “Man soll ja nicht gleich übertreiben” rede ich mir ein und setze mich auf eine Parkbank. Nach ein bis zwei Minuten merke ich fluchend, dass ich Runtastic ja mitteilen muss, dass mein Lauf beendet ist. Die Flüche werden lauter, als ich noch um die 15 Sekunden versuche, den Sperr-Mechanismus der App zu durchdringen um tatsächlich das Ende einzuläuten. Ergebnis des ersten Laufs:

Strecke: 2,31km
Dauer: 18 Minuten, 16 Sekunden (minus, tja, öh zwei Minuten?)
Pace: 7 Minuten 54 Sekunden pro Kilometer

Das geht natürlich besser. Aber ich bin schon froh, nach Jahren totaler Untätigkeit wenigstens die 15 Minuten erreicht zu haben. Übermorgen probiere ich mindestens 20 Minuten. Hätte ich heute vermutlich auch geschafft, aber es wird ein tolles Gefühl sein, die neue Zeit mit der gleichen Menge an Anstrengung zu erreichen.