i-am-a-cyborg-btok_poster-01Ein Film aus der Abteilung: DIe spinnen, die Asiaten. Neben „Juno“ zählt „I’m a cyborg, but that’s ok“ zu den neuesten Errungenschaften meiner DVD-Sammlung. Gehört hatte ich von diesem Film ursprünglich in einem Uni-Seminar, ich weiß nicht mehr zu welchem Thema. Aber da das moderne asiatische Kino ja visuell wie inhaltlich beeindruckende Werke wie „2046“ oder „Oldboy“ hervorgebracht hat, warum nicht? Letzter teilt sich mit diesem Film den gleichen südkoreanischen Regisseur: Chan-wook Park. Und Preise in Cannes hat er mit diesem Werk ebenfalls erneut abgeräumt. Was kann da schon schiefgehen?

Realitätsfreunde und Kulturbegrenzer aufgepasst: „I’m a cyborg, but that’s ok“ ist nichts für euch. Der Film springt munter zwischen Fantasie und Wirklichkeit hin und her. Das erleichtert nicht gerade das Verständnis, zumal einem als westlichen Zuschauer vieles aufgrund der kulturellen Unterschiede eh schon spanisch genug vorkommt. Etwas Toleranz und Filmerfahrung ist also Voraussetzung, um dem Geschehen einigermaßen folgen zu können.

i_m_a_cyborg_but_thats_ok_grossDer Film spielt fast ausschließlich in einem Irrenhaus. Dorthin wird unsere Heldin Young-goon gebracht, nachdem sie ihre Pulsadern an eine Steckdose angeschlossen hat. Young-goon hält sich nämlich für einen Cyborg, also eine Mensch-Maschine. Im Verlauf des Films begegnen wir verschiedenen Charakteren, die alle ihre eigenen Macken haben. Neben Young-goon, die fleißig mit Lampen und Getränkeautomaten spricht, ist vor allem Park Il-sun zu nennen, welcher ständig mit Hasenmasken herumläuft und anderen Insassen ihre Fähigkeiten raubt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine Romanze, welche allen Widerständen durch die Ärzte und den anderen Bewohnern trotzt. Dass Young-goon Batterien leckt statt richtige Nahrung zu sich zu nehmen oder verzweifelt versucht, ihrer Großmutter ihr Gebiss zu bringen, macht das Leben in der Anstalt nicht leichter.

Chan-wook Park liefert uns hier ein wahres Feuerwerk an Ideen und Verrücktheiten, alle Register der Filmkunst werden gezogen. Auf der Packung steht „Amelie im Irrenhaus“ und das trifft zu. Die Bilder sind gewaltig wie kunstvoll, die Charaktere verrückt wie liebenswürdig. Ähnlich wie in „Einer flog übers Kuckucksnest“ erscheinen uns die Fantastereien ehrlicher und lebendiger als die kalte Realität da draußen. Der ganze Film ist ein Plädoyer für Träume und die Vorstellungskraft an sich. So ist der intimste Moment nicht etwa die grandiose Kusszene im Wald (in der sich Young-goons Kopf um 360° gedreht hat und sieh mit Düsentriebwerken über dem Boden schwebt), sondern der, wo die beiden Liebenden im kalten Heizungskeller sitzen und Park Il-sun ihr (vorgeblich) einen Reiskorninenergieumwandler in den Rücken einbaut. Das mag sich verrückt anhören, ist aber einfach nur das: schön.

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Chan-wook Park, sonst eher für blutige Filme bekannt, hat sich hier laut eigener Aussage eine Pause vom Gemetzel gegönnt. Dennoch gibt es einige absurde Szenen, in denen Young-goon Kugelsalven aus ihren Fingerkuppen verschießt und die Patronen aus dem Mund ausspuckt. Auch dass sie am Ende erkennt, eine Atomwaffe zu sein, deren Ziel es ist die Welt zu vernichten, lässt die Geschichte nicht allzu weich werden. Doch fast wünscht man den Figuren, dass sie ihre Bestimmung erfüllen können. Sie tragen keinerlei Schuld in sich.

Pro.