Kommentar
Weil ich es gerade bei spielbar.de erlebe: Kommentarfunktionen, die eine Freigabe durch einen Moderator erfordern, sind großer Mist. Interessante Diskussionen, welche das Gemüt der Beteiligten im Moment erregen, werden durch mehr oder weniger lange Wartezeiten im Keim erstickt, weil sich niemand 3 Tage lang mit einem Thema befassen will, welches ohne eine Freigabesystem in 10-20 Minuten ausdiskutiert sein könnte.

Warum wird so eine Funktion genutzt? Zum einen gibt es da die Angst vor den Inhalten: Der Betreiber einer Website kann für die Kommentare seiner Nutzer haftbar gemacht werden. Nun sollten sich aber vor allem kleinere Seiten, welche ohnehin schon Probleme haben überhaupt jemanden zu finden der sich mit Kommentaren beteiligt, fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass tatsächlich jemand diese Plattform nutzt um Unsinn zu treiben. Der Schaden durch Abschreckung ist hier größer als der Nutzen der Sicherheit.

Übrigens ist das Dilemma theoretisch sehr einfach zu beheben: Wenn die Moderation sehr schnell erfolgt, bleibt die Kontrolle und die User werden nicht genervt. Aber erkläre man das mal der Personalabteilung; die meisten Moderatoren machen solche Jobs eben nicht vollzeit (lohnt nicht) sondern haben daneben anderen Aufgaben zu erfüllen. Trotzdem: Einen halben bis ganzen Tag warten auf eine Kommentarfreigabe geht gar nicht.

Ich bin nicht auf dem aktuellsten Stand was die Rechtslage angeht. Ich erinnere mich jedoch, dass es zumindest Streitigkeiten in der Justiz darüber gab, inwiefern der Betreiber automatisch zur Rechenschaft gezogen werden kann oder inwiefern nicht einfach nur geschaut werden sollte, ob er rechtzeitig auf rechtswidrige Inhalte reagiert. Wenn also jemand einen Hitlergruß auf Moosbett postet und ich das zeitnah lösche, was habe ich falsch gemacht? Redefreiheit herrscht erstmal grundsätzlich, Restriktionen sollten erst bei einem Vergehen folgen. Ich verklage ja auch nicht die Stadt, wenn jemand auf dem Marktplatz volksverhetzende Parolen schreit. Das kann ich höchstens tun, wenn sie dann nichts dagegen unternimmt. Entsprechend der Freigaberegelung im Netz müsste ich den Leuten auf der Straße verbieten den Mund aufzumachen, wenn sie nicht vorher einen Anwalt konsultiert haben. Blup.

Ein anderer Grund beim oben genannten Beispiel spielbar.de ist sicherlich die Sicherheit für Kinder. Seiten im Netz, die für sich in Anspruch nehmen „kindersicher“ zu sein, wollen kein Risiko eingehen, dass unangemessene Inhalte produziert werden. Hier zeigt sich, wie schwer das Prinzip Web 2.0 und Jugendschutz vereinbar sind: Wo wird die Grenze gezogen zwischen kontrollierter Sicherheit und produktivem Freigeist? Widerspricht das kontrollierte Vorbereiten von Kindern auf die Welt nicht immer stärker einer unkontrollierten Wirklichkeit (im Netz)? Oder vom Subjekt aus gesehen: Welches Kind so um die 10 Jahre rum geht schon ins geregelte Kindernetz wenn es Youtube mit 90% Mist und 10% Glorie haben kann?

P.S. Ja, Moosbett hat genau bis jetzt die oben kritisierte Freigaberegelung. Weil sie im Standard so eingestellt ist und ich mir bisher keine Gedanken darüber gemacht habe. Ich schau gleich mal, wie das abgestellt wird. Ich bitte darum, auf hämische Spams zu verzichten 😉