Ich habe gestern „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ gesehen. Über den Inhalt muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren: Hape Kerkelings Kunstfigur Schlemmer ist penetrant, verzweifelt, entschlossen – und will Bundeskanzler werden. Schluss mit den Zeiten, in denen er als stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tagesblatt die undankbaren Arbeiten zu erledigen hat, Horst ist zu Größerem berufen. Im Gespräch mit verschiedenen Politikern merkt er: „Die kochen auch nur mit Wasser. Was die nicht können, das kann ich auch!“ Weisse Bescheid.

Der Rest des Films ist Wahlkampf, wie man ihn sich nur wünschen kann, nämlich sehr unterhaltsam. Ich möchte hiermit mal klarstellen, wie extrem unlustig und nervtötend ich Alexendra Kamp als potentielle First Lady finde. Aber alles andere ist pures Gold wert: Schlemmer ist in seiner arroganten Naivität näher am Menschen dran als die vermeintlich klügeren Politiker. Die demaskieren sich nämlich in diesem Film selbst, indem sie versuchen, ihn als Wahlwerbung zu nutzen. Da wird dem Bürger alias Schlemmer immer schön nach dem Mund geredet und sogar eine Rechnung wie 18+6=22 für Wahr verkauft. Bürger trifft Politiker…trifft Bushido. Der Film ist ein Clash der Kulturen, ganz ohne das Land verlassen zu müssen. Schlemmer ist ein Chamäleon, passt sich an jeden potentiellen Wähler an, das hat er sich bei den Großen richtig abgeschaut: Nimm einen Rapsong mit Bushido auf, singt Kirmesschlager auf Volksfesten. Und gerade durch seine plumpe Umsetzung dieser Taktik zeigt er die Lachhaftigkeit moderner Politik auf. Ein großer Spaß!

Pro.