Wiedereinmal jährt sich Stefan Raabs Gegenentwurf zum Eurovison Song Contest aka Grand Prix de Eurovision de Chanson. 16 Bundesländer, 16 Bands und jede Menge gute Stimmung. Muss auch, schließlich hat man die Sendung lieber auf Freitag den 13. gelegt statt auf den Valentinstag. Weshalb auch viele verwundert waren, warum denn so eine typisch Samstagabendshow nicht am Samstagabend lief.
Ich geb zu, ich hab erst bei der Hälfte eingeschaltet, Schillerstraße war dann doch irgendwie interessanter. Erster Beitrag: “Fotos” (mein erstes Live-Konzert! Naja, sie waren Vorband). Klang flach, was aber eher am Sound als am Lied lag. Die nächsten Bands wurden leider nicht besser, von einigen Lichtblicken wie Polarkreis 18 und Peter Fox mal abgesehen. Was mich zu drei Haupteindrücken des gestrigen Abends bringt:
1. Es scheint in Deutschland keine Originale mehr zu geben. Mit wenigen Ausnahmen konnte man jeder Band auf einen Schlag ein Bandvorbild zuordnen. Seed, Deichkind, Beatles…von den unzähligen JungGenerationRockScheiß ganz zu schweigen (Hallo Angela’s Park! Hallo Sachsen-Anhalt! Ich glaub ich zieh weg!). Auftritt, Stil, Kostümierung…einfach frech und schlecht kopiert.
2. Eigentlich war fast klar, das Peter Fox gewinnt (und Polarkreis 18 den 2. Platz absahnt), schon im Vorfeld. Ebenso wie klar war, dass in den Vorjahren Juli, Seed, Jan Delay oder Subway to Sally gewinnen. Weil fast immer 1-2 schon längst berühmte und beliebte Bands antreten, gegen die dann die ganzen Newcomer keine Chance haben. Ist das schlimm? Nö. Denn Raab meinte mal in einem Interview, dass es ihm darum ginge, die jungen deutschen Musiker zu fördern. Und das tut er ja mit dem Wettbewerb auf jedenfall, unabhängig davon, wer am Ende nun auf dem 1. Platz landet. Ohne diese Headliner würden sich die Show ja nun auch viel weniger Leute angucken. Und davon hätten die Teilnehmer auch wieder nichts.
3. Die Bundesländer dürfen für sich selber abstimmen. Schlimm? Nö, denn weil das fast jedes Bundesland macht, hat auch keiner nen Nachteil (außer die Ehrlichen…nochmal hallo Sachsen-Anhalt! Ich glaub ich zieh wieder her!). So gewinnt dann halt der, der am meisten 10 Punkte kassiert.
Musikalisch fand ich vieles Mist, einiges ganz okay (Olli Schulz per se, Peter Fox und Polarkreis 18 gingen auch i.O., Sven van Thom soweit ichs mitbekommen hab). Das Gerede der Bands in den kurzen Promo-Videos sollte man aber meistens am besten ignorieren. Weiterer Vorteil der Show: Wir werden uns mal wieder bewusst was es so für Bundesländer in Deutschland gibt und was man damit assoziieren kann (“In Rheinland-Pfalz gibt es viele Burgen.” Yeah!). Also erfüllt die Sendung glatt noch einen Bildungsauftrag, Wahnsinn.
Kann man sehen, muss man nicht, aber schön, dass wir drüber geredet haben.
P.S. Zu den Moderatoren: Raab ist routiniert, Johanna gehört in die Tonne.
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