Google-Suche nach Bettina Wulff
Nun ist es also da, das Urteil: Sobald Google Kenntnis erhält, dass einer seiner automatisch generierten Suchvorschläge rufschädigend wirkt, muss es diesen entfernen.

Sehr schwieriges Thema. Zunächst ist da die Auffassung von Google, dass die Funktion ein sinnvoller Spiegel der Nutzeranfragen darstellt. Nicht nur erfährt man, was die Suchenden so bewegt. Es erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit zu finden, was man sucht, vor allem wenn man vorher nicht genau weiß, wie man seine Suchanfrage formulieren sollte.

Auf der anderen Seite hat die Funktion aber einen verstärkenden Effekt, der Menschen und Firmen kaputt machen kann, selbst wenn sie unschuldig sind. Eben weil die Leute, selbst wenn sie wissen wie das System funktioniert, ein ungutes Gefühl bekommen und sich verstärkt die Vorschläge angucken und sich darüber eine Meinung bilden. Wenn der Mensch vernünftig und logisch denken würde, bräuchte es dafür keine einschränkenden Regelungen. Aber so ist es leider im richtigen Leben nicht. Aus dem gleichen Grund ist ja auch Zigarettenwerbung nur sehr eingeschränkt erlaubt: Natürlich zwingt die Werbung niemanden zum Rauchen. Aber einen Effekt hat sie nun mal trotzdem.

So gesehen ist das Urteil eigentlich ein annehmbarer und relativ praktischer Kompromiss. In nachgewiesenen Fällen kann Google vermutlich sehr unkompliziert einen Suchvorschlag entfernen. Es wäre völlig realitätsfern gewesen, dem Konzern eine Vorabfilterung aufzuhalsen. Allerdings dürften die Gerichte sich auf eine Prozessflut einrichten von Firmen/Leuten, die ihren Google-Ruf verbessern wollen. Und sich Fragen stellen, was für Wortkombinationen denn nun rufschädigend sind.

Was für Textformulierungen, etwa in Zeitungen oder Reden, rufschädigenden Charakter haben, mag ja ein alter Hut sein in der Rechtssprechung. Aber die einfache, automatisierte Kombination verschiedener Worte? „Max Mustermann ist bei Scientology“ mag z.B. rufschädigend sein, „Max Mustermann Scientology“ aber auch? Selbst „Max Mustermann Scientology Betrug“ könnte genauso den Hintergrund haben, dass Herr Mustermann sich für die Aufklärung von Betrugsfällen bei Scientology einsetzt. Der Bundesdgerichtshof sieht das anders.

Das Problem ist zunächst nicht bei dem Suchvorschlag zu suchen, sondern bei der Interpretation durch die Nutzer. Von denen dann allerdings wiederum die weiteren Suchvorschläge abhängen. Ein Teufelskreis. Google mag nicht Schuld haben, hat aber meiner Meinung nach eindeutig eine Verantwortung. Allerdings birgt der manuelle Eingriff auf die Suchvorschläge auch Gefahren der Diskriminierung: Wenn etwa die Noch-Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten, Bettina Wulff, wie geschehen fordert entsprechende Einträge zu entfernen, spurt Google (jetzt) sicherlich. Weniger einflussreiche Leute könnten es da schwerer haben, vor allem wenn sie sich eine gerichtliche Auseinandersetzung gar nicht leisten können.