Ein weiterer Amoklauf. So schrecklich so ein Vorfall auch ist, so ist er in dieser Form auch nicht neu. Die Muster der Berichterstattung sind ähnlich. Die mediale Aufbereitung eines solchen Unglücks wurde vor allem nach dem Unglück in Erfurt ebenso wie der Amoklauf selbst stark diskutiert. Jeder will der erste sein, will die besten News liefern, will die schärfsten Forderungen stellen. Kurz: Jeder will ein Stück vom blutigen Kuchen.

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Wohin das führt, hat man in der Vergangenheit gesehen: Selbst seriöse Zeitungen wie die FAZ recherchieren falsch, behaupten etwa, in dem Taktikshooter Counterstrike ginge es darum, Schulmädchen zu erschießen. Freilich werden gewaltenthaltende Spiele einfach „Killerspiele“ genannt, klingt besser. Wertungsfreier Jornalismus sieht anders aus. Überhaupt klammert man sich an jeden Strohhalm, damit man überhaupt berichten kann. Ich will gar nicht wieder breittreten, was damals zur Genüge festgestellt wurde. Ja, die Amokläufer spielen Gewaltspiele. Ebenso wie der Großteil der männlichen Jugendlichen in Deutschland. Und irgendwo findet sich schon ein Typ der in die Kamera sagt „dann fühle ich mich mächtig“ – Zack, das kommt auf Sendung. Blablabla, es war jedenfalls eine Schattenstunde des Journalismus.

Die Frage ist ja nun, was haben wir daraus gelernt? Oberflächlich gesehen geben sich die Medienvertreter geläutert. Bis auf wenige, geltungssüchtige, unseriöse Vertreter (Guten Tag Herr Pfeiffer), die der Presse schön nach dem Mund reden, haben genügend Experten darauf hingewiesen, wie falsch ein plakativer Vorwurf sei, Spiele würden harmlose Jugendliche zu Killern machen.

Folgende Beobachtungen zum Vorfall in Winnenden:

  • schon bevor es Live-Bilder gibt fragt der Reporter von N-24 einen „Experten“: „Weiß man schon, ob der Täter einschlägige Videospiele gespielt hat?“
  • sofort sprießen wieder Artikel aus der Erde über Videospiele, Videospielsucht etc. 
  • Galileo zeigt einen betroffenen Lehrer, welcher sich, um das Unglück zu verstehen, auf eine Videospielmesse begibt, dort überwältigt ist von dem Lärm etc., schließlich einen Extremzocker trifft, welcher geradzu mitleidserregend von Galileo inszeniert wird, schließlich zum Suchtexperten geht, wo eine Sucht nicht bestätigt werden kann. Scheinheiliges Fazit: Videospiele sind nicht schlimm. Der gesamte Beitrag sprach eine deutlich andere Sprache.

Zweitsündenbock: Schützenvereine. Deren Vertreter sehen sich natürlich wie auch die Videospieler zu Unrecht beschuldigt. Die Politik ist wieder mit zuweilen wahnwitzigen Ideen zur stelle: Merkel für unangekündigte Kontrollen bei Waffenbesitzern
Zwar bin ich auch für schärfere Waffengesetze, aber mal eben das Recht auf Privatsphäre mit den Füßen treten nur um etwas mehr zu gewährleisten, dass die Waffenbesitzer ihre Pistolen besser wegschließen? Und Amokläufe lassen sich dadurch sicher nicht verhindern. Granaten kann man sich nachwievor ganz einfach selber basteln. Oder Messer kaufen.

Der Mensch ist das Problem, nicht sein Werkzeug! „Die Gesellschaft ist schuld“ mag eine Phrase sein und wenig problemlösend erscheinen, aber wenn Mittel und Wege geschaffen werden Menschen vor Situationen zu bewahren die zu solchen Taten führen, dann ist das sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Kontra.